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Kambodscha 2022 Arbeitsweg 11394

Im letzten Jahr sind 63 TextilarbeiterInnen auf dem Weg zur/von der Arbeit bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. Üblicherweise besteigen sie LKWs, das ist die billigste Art, in die Fabrik zu kommen. Insgesamt starben 156 ArbeiterInnen auf dem Arbeitsweg. Bei den Unfällen sind 854 TextilarbeiterInnen schwer und über 3100 leicht verletzt worden. 2021 gab es 50 Tote und 470 Schwerverletzte; allerdings waren einige Fabriken wegen Corona geschlossen. Die Mehrheit der TextilarbeiterInnen läßt sich von diesen LKWs zur Arbeit fahren; nur eine Minderheit hat ein eigenes Moped - allerdings gibts auch da viele Unfälle.

aufgenommen: So., 29.1.2023

Quelle: Cambodian Journalists Alliance Association, 28.1.23


Thailand 26.1.23 Hungerstreik 11393
Bangkok: Hunderte demonstrierten in Solidarität mit zwei hungerstreikenden Frauen, die die Freilassung aller politischen Gefangenen und die Abschaffung des Paragraphen zur "Majestätsbeleidigung" (11160, 10940) fordern. Die Frauen verweigern Essen und Trinken und liegen in schwachem Zustand im Krankenhaus. Derweil ist in Chiang Rai ein Mann zu 28 Jahren Haft wegen "Majestätsbeleidigung" verurteilt worden.
aufgenommen: Fr., 27.1.2023

Quelle: Bangkok Post, 26.1.23


Kambodscha 25.1.23 Straßenblockade 11392
Kampong Speu: Etwa 1000 ArbeiterInnen der Smart Shirts Garments Manufacturing demonstrierten erst vor der Fabrik, später blockierten sie eine Nationalstraße. Die Fabrik hatte ihnen den Lohn für einen Tag Feier des Neujahrsfestes abgezogen. Abgesprochen war vorher, dass ein Tag Urlaub abgezogen würde. Schließlich gab die Fabrik der Forderung nach.
aufgenommen: Do., 26.1.2023

Quelle: VOD, 26.1.23


Indonesien 25.1.23 Ojols 11391
Jakarta: Hunderte "Ojol", MopedtaxifahrerInnen, die ihre Aufträge von Plattformen kriegen, demonstrierten vor dem Rathaus. Sie wehren sich gegen die Pläne der Stadtverwaltung, einige vielbefahrene Straßen gebührenpflichtig zu machen, mit Hilfe eines automatischen elektronischen Erfassungssystems.
aufgenommen: Mi., 25.1.2023

Quelle: Kompas u.a., 25.1.23


Indonesien 25.1.23 Dorfhelfer 11390
Jakarta: 40 000 Dorfhelfer (6696. 5930) aus dem ganzen Land demonstrierten vor dem Parlament. Sie fordern eine allgemeine Verbesserung, so z.B. was die Entgelte betrifft (manche bekommen grade mal 800 000 Rp (etwa 50 €)), keine Pension. Sie fordern, in den regulären Staatsdienst aufgenommen zu werden. Daneben wollen sie Zulagen für die Familie und ein 13. Monatsgehalt.
aufgenommen: Mi., 25.1.2023

Quelle: Kompas u.a., 25.1.23


Indonesien 24.1.23 Solidarität mit NickelarbeiterInnen 11389
Jakarta: Mehr als 300 GewerkschafterInnen demonstrierten in Solidarität mit den ArbeiterInnen der PT Gunbuster Nickel Industri in Morowali. Dort waren am 14.1. zwei einheimische und ein chinesischer Arbeiter bei der Niederschlagung eines Streiks ums Leben gekommen (11385). Ein Teil der Demonstrierenden war aus Morowali gekommen. Sie forderten vor allem, dass die Regierung dafür sorgt, dass die Arbeitsgesetze eingehalten und die Gewerkschaften nicht angegriffen werden. Die Geschehnisse in Morowali seien nur die Spitze des Eisbergs - 70 % der Unternehmen in Indonesien würden sich nicht an Gesetze halten. Daneben forderten sie für die Nickelschmelze selbst, dass ausreichend Arbeitsschutzausrüstung zur Verfügung gestellt wird und in allen Hallen Lüftungsanlagen installiert werden sollen. Daneben sollen entlassene Gewerkschafter wieder eingestellt werden.
aufgenommen: Di., 24.1.2023

Quelle: Holopis.com, 24.1.23


Südkorea 20.1.23 Mobilität für Alle ! 11388
Seoul: Insgesamt etwa 80 RollstuhlfahrerInnen haben in verschiedenen U-Bahnstationen ihre Störaktionen (11165) wieder aufgenommen, nachdem sie für 14 Tage ausgesetzt waren. Es kam zu Störungen - Verspätungen und an einige Stationen hielten die Züge nicht. Ein Treffen mit dem Bürgermeister ist nicht zustande gekommen. Anschließend trafen sie sich in einer Station, wo vor 22 Jahren zwei RollstuhlfahrerInnen ums Leben gekommen sind. Sie versuchten in einen Zug zu kommen, wurden aber von 50 Securities erst für 3 Stunden lang daran gehindert - dann durften sie doch rein.
aufgenommen: Sa., 21.1.2023

Quelle: The Korea Herald, 21.1.23


Indonesien 21.1.23 Notaufnahme zu 11387
Ternate, Molukken: Hunderte ÄrztInnen und PflegerInnen des öffentlichen Gebietskrankenhauses haben die Notfallaufnahme besetzt. Sie fordern die sofortige Auszahlung der Zulage für Zivilangestellte, die seit 15 Monaten überfällig ist. Der Gouverneur hatte versprochen, dass dieser Entgeltbestandteil bis 24. Dezember gezahlt wird, auch wenn die Provinz sich das Geld leihen müsste.
aufgenommen: Sa., 21.1.2023

Quelle: SindoNews, 21.1.23


Papua Neuguinea 17.1.23 Fachärzte streiken 11386
Mehr als 400 Fachärzte im ganzen Land sind in Streik getreten. Es sind Radiologen, Chirurgen, Zahnärzte ua. Sie fordern die Nachzahlung von Zulagen, die 2010 vereinbart, aber bis 2020 nicht gezahlt worden sind (außer vom Port Moresby General Hospital). Es geht um Wohnungszulagen, Arbeitskleidung, Strahlung, Überstunden; insgesamt um 12,5 Mio. Kina (3,2 Mio. Euro).
aufgenommen: Mi., 18.1.2023

Quelle: Post-Courier, The National, 17.1.23


Indonesien 14.1.23 3 Tote bei Streik 11385
Morowali, Zentral Sulawesi: Nach einer Explosion am 22.12.22 in der Nickelmine PT Gunbuster Nickel Industry (besteht erst seit 2019; Kapital von der chinesischen Jiangsu Delong Nickel Industry), bei der ein Arbeiter getötet wurde, sind gestern mehrere hundert Arbeiter in Streik getreten; die Hauptforderung bezieht sich auf die Arbeitssicherheit. Etwa 500 ArbeiterInnen drangen in die Fabrik ein; der Werkschutz versuchte, das zu verhindern. Es kam zu ersten Auseinandersetzungen; der Posten der Security wurde zerstört. Die Streikenden zogen weiter zu den Kantinen; die Messe für die Frauen wurde zerstört. Polizei, zusammen mit Militär, griff ein; wurde aber mit Steinen u.ä. angegriffen. Gleichzeitig kam es zu Schlägereien mit Streikbrechern, vor allem mit Fahrern der großen LKWs; dabei wurden drei Fahrer verletzt. Fünf Fahrzeuge der Mine wurden zerstört. Bei weiteren Schlägereien zwischen Streikenden und Streikbrechern mit Stangen u.ä. kamen zwei einheimische und ein ausländischer Beschäftigter zu Tote. Mit Einsatz von Tränengas gelang es der Polizei schließlich in der Nacht, 69 ArbeiterInnen festzunehmen.
aufgenommen: So., 15.1.2023

Quelle: CNN Indonesia, Kompas, TribunPalu, 15.1.23


Indonesien 14.1.23 Demo gegen Leiharbeit 11384
Jakarta: Aufgerufen von der Arbeiterpartei und verschiedenen Gewerkschaften demonstrierten Tausende gegen ein Präsidentendekret, das kürzlich das umstrittene "Omnibus-Law" (11288, 10855) ersetzt hat - nachdem es vom Verfassungsgericht als verfassungswidrig eingestuft worden ist. Es geht um Erleichterung der Investitionen, und das hat sich im Präsidentendekret nicht geändert: Leiharbeit wird erleichtert, Entlassungen erleichtert, Abfindungen begrenzt, Berechnung des Mindestlohns verändert.
aufgenommen: Sa., 14.1.2023

Quelle: Kompas, Detik.com, 14.1.23


Vietnam seit 12.1.23 Streik für mehr Geld 11383
Ho Chi Minh City: 600 ArbeiterInnen der Toyo Precision (Metallwerkzeuge, Kapital aus Japan) streiken. Die Firma hat einen erbärmlichen Jahresbonus zum Tet- Fest (Neujahrsfest, an dem die ArbeiterInnen traditionellerweise in ihre Heimatdörfer fahren) angekündigt: Wer noch kein ganzes Jahr in der Fabrik arbeitet, kriegt 100 000 VND, knapp 4 € - das reicht kaum für einen entsprechenden Busfahrschein. Aber auch die länger Beschäftigten haben sich dem Streik angeschlossen. Auch sie kriegen relativ wenig Jahresprämie und vor allem soll der Lohn nur um 2,25 % erhöht werden (die offizielle Erhöhung des Mindestlohns beträgt 6 %). Laut des örtlichen Arbeitsamts sind die durchschnittlichen Jahresprämien in der Stadt um 45 % auf 13 Millionen VND gestiegen.
aufgenommen: Sa., 14.1.2023

Quelle: VN Express, 13.1.23


Indonesien 2022 Landkonflikte 11382
Es gibt 14 Staatsplantagen (PTPN, PT Perkebunan Nusantara), die unterschiedliche Produkte produzieren und einen guten Teil des Landes besitzen. Seit Anfang an kommen sie immer wieder in Konflikt mit den Bauern, deren Land sie okkupieren. 2022 gab es 21 Landkonflikte, in denen 15 Menschen verletzt und einer getötet wurde; 28 wurden kriminalisiert. (Siehe 11327, 11186 und Wem gehört das Land?)
aufgenommen: Do., 12.1.2023

Quelle: Konsorsium Pembaruan Agraria, 11.1.23


Myanmar Anf. 2023 Kräfteverhältnisse 11381

[Vorbemerkung: Über Myanmar zu berichten, ist ziemlich schwierig. Es tobt ein Krieg, sodass jede Berichterstattung schnell zur reinen Kriegsberichterstattung wird. Ein Überblick über die beteiligten Parteien - vor allem die "ethnisch" definierten Parteien - ist ebenso fast unmöglich. Es gibt keine einheitliche Front, die Allianzen wechseln immer wieder. Die nachfolgende Zusammenfassung eines Artikels von KO OO aus The Irrawaddy mag eine erste, unvollständige Übersicht geben. Red.]

Es gibt dutzende bewaffnete Gruppen, die ihr eigenes Territorium beherrschen. Daneben gibt es seit dem Putsch 2021 eine von der demokratischen Gegenregierung mit Hilfe der "ethnischen" Truppen aufgebaute Untergrundarmee. Und es gibt das Militär, die "Tatmadaw", die seit 1948 gegen "ethnische" Gruppen vorgeht. Es hat mehr als 400 000 SoldatInnen.
Es kann zwischen 4 Gruppen unterschieden werden, je nachdem, wie sie sich zum Militär und der Gegenregierung verhalten. Erstens die Karen National Union, die Karenni National Progressive Party, die Chin National Front und die All Burma Students Democratic Front. Die haben etwa 45 000 Bewaffnete, unterstützen die Gegenregierung und trainieren deren Untergrundarmee. Zweitens die Arakan Army, die Ta'ang National Liberation Army und die Myanmar National Democratic Alliance Army. Auch die trainieren die Kämpfer der Untergrundarmee, unterstützen die Gegenregierung aber nicht offen, zum Teil haben sie Waffenstillstandsabkommen mit dem Militär Auch sie haben etwa 45 000 Truppen. Drittens die United Wa State Army, die Shan State Progress Party und die Mongla Group. Auch sie haben etwa 45 000 Leute unter Waffen, es gilt derzeit aber ein Waffenstillstandsabkommen und Verhandlungen mit dem Militär. Viertens sieben Organisationen aus Mon State, Karen, Arakan und anderen, mit zusammen etwa 12 000 Truppen. Zum Teil haben sie gar keine Bewaffneten. Alle haben aber ein "Friedensabkommen" mit der Tatmadaw unterzeichnet.

aufgenommen: Di., 10.1.2023

Quelle: The Irrawaddy, 9.1.23


Die Informationen erreichen uns auf sehr unterschiedlichem Weg und mit Verzögerungen von Stunden bis Monaten. Wir ordnen sie so ein, wie sie ankommen, deshalb ist die Liste nicht exakt chronologisch.


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29. Januar 2023