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Hong Kong - Eine Stadt in Aufruhr



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Hong Kong 12.11.19 Schlacht um Uni 10574
Überall in ganz Hong Kong kam es zu Straßenschlachten; das Zentrum war aber die Chinesische Universität, wo es den ganzen Tag, bis spät in die Nacht, zu schweren Kämpfen kam. Mehr als 100 Mollies wurden geworfen - eines zwang den ankommenden Wasserwerfer zum Rückzug. Die Polizei setzte Tränengas und vor allem Gummikugeln ein - auch der Unipräsident, der vermitteln wollte, wurde getroffen. Im Finanzdistrikt in Central kam der Verkehr völlig zum Erliegen; auch diesmal kamen tausende Büroangestellte während der Mittagspause, um die Bewegung zu unterstützen. Die U-Bahn war zweitweise fast völlig lahmgelegt; auch Busse wurden außer Funktion gesetzt (platte Reifen, besprühte Frontscheiben). Die wichtige Nathan Road (Durchgangsstraße in Kowloon) war stundenlang blockiert.
aufgenommen: Mi., 13.11.2019

Quelle: div.


Hong Kong 11.11.19 Außer Kontrolle 10573
Angesagt war ein Generalstreik nach dem Tod eines Studenten. Die Polizei hat in einer dramatischen Eskalation dafür gesorgt, dass er teilweise zum Erfolg wurde. Erst schoß ein Polizist drei mal scharf, dabei wurden zwei unbewaffnete Protestierer getroffen; einer davon in den Bauch, er liegt immer noch in kritischem Zustand im Krankenhaus. Er wird von Riot-Polizei "bewacht", während Beschäftigte des Krankenhauses in der Lobby gegen Polizeigewalt demonstrierten. Dann wurde ein friedlicher Protest von tausenden von Büroangestellten während der Mittagspause in Central von der Polizei mit Tränengas angegriffen. Dann schließlich ist die Polizei zum ersten Mal überhaupt in die Universitäten (Chinesische Universität von Hong Kong, Hong Kong Polytechnic University und die University of Hong Kong) eingedrungen, wo es zu intensiven Auseinandersetzungen mit Tränengas und Mollies etc. gekommen ist. Überall in HK ist der Verkehr zusammengebrochen; nicht nur die U-Bahn stellte weitgehend ihren Betrieb ein, auch viele Buslinien konnten nicht fahren. Selbst die altehrwürdige Straßenbahn in Hong Kong Island konnte nicht fahren. Unter anderem Amnesty International stellt fest, dass die Polizei, die Bullen in der Frontlinie, außer Kontrolle geraten sind. Die Regierungschefin, Frau Lam, und die Polizeiführung bestreiten das. Insgesamt gab es mindestens 60 Verletzte.
aufgenommen: Di., 12.11.2019

Quelle: div.


Vietnam 5.11.19 Streiks 10572
Vinh Yen City, Nordvietnam: ArbeiterInnen der Bekleidungsfabrik Vina Korea (4000 Beschäftigte) streikten für höhere Löhne und Zulagen. Nach Intervention verschiedener staatlicher Stellen erklärte sich die Firma bereit, eine Extrazahlung an die ArbeiterInnen zu leisten.
Im Oktober gab es 10 Streiks. Die Hauptforderungen waren gegen verspätete Lohnzahlungen, Nichtzahlungen an die Sozialversicherung, Arbeitsverträge, Arbeitszeiten und Überstundenzulagen.
aufgenommen: Di., 12.11.2019

Quelle: Vietnam Labour Update 34, 11.11.19


Hong Kong 23. Wochenende Militante Trauer 10571
Die Aktionen an Samstag und Sonntag standen ganz im Zeichen der Trauer und der Wut über den Tod eines Studenten (10567). Im Tamar Park nahe der Regierungsgebäude versammelten sich an die 100 000. In der Nacht zum Sonntag und am Sonntag gab es viele Versammlungen und Zusammenstöße mit der Polizei. Vor allem in Shopping-Malls in der ganzen Stadt. In der Simplylife Mall kam es zu heftigen Schlägereien zwischen schwarzgekleideten Zivilbullen, die plötzlich versuchten, Leute festzunehmen und Protestierern, dabei gab es Verletzte.
Inzwischen hat die Polizei mindestens 7 pro-demokratische Mitglieder des Legislativrates festgenommen (bzw. angekündigt, es zu tun), die am 11.5. angeblich in Rangeleien im Rat verwickelt waren, um das Auslieferungsgesetz zu verhindern.
aufgenommen: Mo., 11.11.2019

Quelle: div.


Südkorea 9.11.19 Gewerkschaftsdemo 10570
Seoul: Laut Veranstalter KCTU beteiligten sich 100 000 an der jährlichen Demo, die an Chun Tae-il (9890) erinnert. Der Textilarbeiter hatte sich 1970 selbst verbrannt im Protest gegen schlechte Arbeitsbedingungen. Diese Tat gilt als Auslöser großer Proteste, die zum Ende der Diktatur führten. Dieses Mal beklagen die Demonstranten, dass die derzeitige Regierung viele Arbeitsregelungen verschlechtert, zum Beispiel die Jahresflexibilisierung der Arbeitszeit von 3 auf 6 Monate ausdehnen will.
aufgenommen: Mo., 11.11.2019

Quelle: Korea Times, 10.11.19


Indonesien 22.10.19 Auftragsmord 10569
Labuhanbatu, Nordsumatra: Die Polizei hat fünf Verdächtigte im Mordfall der beiden Journalisten und Landaktivisten festgenommen, die am 22. Oktober im Dorf Wonosari, Bezirk Labuhanbatu, umgebracht worden sind. Dort gibt es einen Streit ums Land zwischen den Bauern und der Palmölplantage PT Sei Alih Berombang (PT Amelia). Unter den Festgenommenen ist auch der Besitzer der PT Amelia, der den Auftrag gegeben und den Mördern mehrere Millionen Rp bezahlt haben soll.
aufgenommen: So., 10.11.2019

Quelle: The Jakarta Post, Tempo, 9.11.19


Philippinen 8.11.19 Angriff auf Streikposten 10568
Pasig, Manila: Seit dem 16. Oktober streiken mehr als 500 ArbeiterInnen der Regent Foods (Snacks, Kapital aus China) in den beiden Fabriken in Pasic und Taguig, Manila. Sie wehren sich dagegen, dass sie immer noch als Leiharbeiter oder Tagelöhner beschäftigt sind, zum Teil seit mehr als 20 Jahren. Jetzt haben angeheuerte Schläger, Security und die Nationale Polizei den Streikposten vor der Fabrik in Pasig gewaltsam aufgelöst. Dabei wurden mehrere Arbeiter verletzt; 17 festgenommen.
aufgenommen: Sa., 9.11.2019

Quelle: Manila Today, 9.11.19


Hong Kong 8.11.19 Trauer 10567
Trotz hoher Polizeipräsenz gab es auf ganz Hong Kong Island, aber auch in Kowloon Demos. Anlass war die Nachricht, dass der Student, der am Samstag schwer verletzt worden war, gestorben ist. Er war in einem Parkhaus ein Stockwerk tief gefallen. Viele sind überzeugt, dass er auf der Flucht vor Polizei war. Die Umstände sind jedoch noch nicht ganz geklärt. Sicher scheint aber zu sein, dass die Erste Hilfe deutlich zu spät kam. Viele Angestellte liefen wieder gemeinsam zur Arbeit und trugen dabei Masken.
aufgenommen: Fr., 8.11.2019

Quelle: South China Morning Post, Hong Kong Free Press, 8.11.19


Thailand 7.11.19 Taxifahrer 10566
Bangkok: 200 Taxifahrer vom Flughafen demonstrierten vorm Transportministerium und verlangten höhere Fahrpreise, längere Fahrzeuglaufzeiten und Abschaffung der Vorschrift, teure Tracking- und Notfallsysteme installieren zu müssen.
aufgenommen: Fr., 8.11.2019

Quelle: Bangkok Post, The Nation, 8.11.19


Indonesien 2016-2018 Hunger 10565
Laut einer Untersuchung der Asian Development Bank litten in den Jahren 2016 bis 2018 22 Millionen Menschen unter chronischem Hunger. Trotz einiger Fortschritte bei der Modernisierung des Agrarsektors gibt es im ganzen Land noch viele Bauern, die in traditioneller Weise produzieren. Sie sind am ehesten von Hunger und Unterernährung betroffen. Besonders schlecht ist die Situation in Papua und auf den östlichen Inseln. Insgesamt rangiert Indonesien laut dem Global Food Security Index von 113 Ländern auf Platz 65, hinter Malaysia (40), Thailand (54) und Vietnam (Platz 62).
aufgenommen: Fr., 8.11.2019

Quelle: The Jakarta Post, 7.11.19


Kambodscha 4.11.19 Hotelangestellte 10564
Phnom Penh: Mehr als 100 Beschäftigte des Great Duke Phnom Penh Hotels demonstrierten für ihr Gehalt, das seit Juni immer wieder viel zu spät gezahlt wird. Das Hotel solle zahlen; wenn es das nicht könne, soll es verkauft werden, damit die Gehälter bezahlt werden können. Dann könnten sich die Angestellten einen neuen Job suchen.
aufgenommen: Di., 5.11.2019

Quelle: Khmer Times, 5.11.19


Indonesien 4.11.19 Mediziner 10563
Soreang, bei Bandung: Hunderte Ärzte und Pfleger des öffentlichen Krankenhaus RSUD Al Ihsan Baleendah demonstrierten, weil ihr Beschäftigtenstatus völlig unklar ist. Das Krankenhaus ist 2005 von der Provinz Westjawa von einer Stiftung übernommen worden; ob sie deshalb Angestellte der Provinz sind, ist nicht geklärt. Das betrifft vor allem die, die in Rente gehen; ihre Abfindungen sind nicht gezahlt worden.
aufgenommen: Mo., 4.11.2019

Quelle: Pikiran Rakyat, 4.11.19


Hong Kong 3.11.19 22. Sonntag 10562
Große Aktionen waren keine angesetzt, also fanden die Proteste in verschiedenen Einkaufszentren in der ganzen Stadt statt. Es waren meist friedliche Sit-Ins, was die Polizei keineswegs davon abhielt, die Malls zu stürmen und immer wieder Gebrauch von Pfefferspray zu machen. Es gab Festnahmen, darunter auch zwei Journalisten.
aufgenommen: Mo., 4.11.2019

Quelle: Hong Kong Free Press, 4.11.19


Hong Kong 2.,3.11.19 22. Samstag 10561
Die Polizei hat ihre Vorgehensweise geändert und greift die Leute schon im Vorfeld von Demos an. 100 prodemokratische Kandidaten für die Provinzwahlen hatten zum Victoria Park geladen, um sich vorzustellen; an die 10 000 kamen. Daraus entwickelte sich eine Nacht der Straßenschlachten im geschäftigen Hong Kong Island. Die Polizei hatte es nicht nur mit den Protestierenden zu tun, auch Leute, die nur zum Shoppen da waren, folgten ihren Anweisungen nur zurückhaltend. Es gelang zum ersten Mal, das Büro der Xinhua Nachrichtenagentur (praktisch die inoffizielle Vertretung der VR China) anzugreifen, die Türen zu entglasen und Farbbeutel ins Innere zu werfen. Die Polizei griff "aus Versehen" auch Feuerwehrleute an, die versuchten, einen Brand zu löschen. Mindestens 54 Leute wurden verletzt, ein Mann schwer. 200 wurden festgenommen.
aufgenommen: So., 3.11.2019

Quelle: South China Morning Post, Sydney Morning Herald, 3.11.19


Die Informationen erreichen uns auf sehr unterschiedlichem Weg und mit Verzögerungen von Stunden bis Monaten. Wir ordnen sie so ein, wie sie ankommen, deshalb ist die Liste nicht exakt chronologisch.


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13. November 2019